Wie es geschah…

Beeindruckt durch die musikalischen Darbietungen der Guggenmusiken am Umzug in Neuler, sah sich eine Gruppe Geislinger gewillt ein einzigartiges Projekt in der Geislinger Geschichte zu starten.
An dieser Stelle wollen wir nicht verleugnen, dass eine große Menge Alkohol der Stein des Anstoßes gewesen ist und anfangs niemand irgendwie so richtig vom Gelingen überzeugt war. Doch der ungebrochene Wille nach Sprüchen Taten folgen zu lassen schweißte eine einmalige Truppe zusammen.

Angetrieben durch unser Badodel-Trio Tommy, Katja und Bettina wurde im März 2004 ein Rundschreiben in Umlauf gebracht, welches jeden Möchtegernmusiker in Geislingen ansprach. Über die Resonanz dieses Schreibens waren nicht nur die Gründungsväter positiv überrascht. Als zum ersten Treffen um die 25 Personen erschienen, war man vom Erfolg, der Gründung einer Guggenmusik, wieder überzeugt.
Doch wie steinig der Weg dorthin noch sein sollte, stellte sich erst in der ersten Probe heraus. Davon abgesehen das unsere Truppe keinen aktiven Musiker und auch nur 6 Personen wirklich ein Instrument irgendwann einmal gelernt hatten, machte das Vorhaben nicht gerade leichter.
Hinzu kam noch ein erheblicher Instrumentenmangel. So war es in den ersten Proben Gang und Gebe das Instrument, mit samt injiziertem Speichel von Musiker zu Musikerin weiterzureichen, um herauszufinden wer mit welchem die schrillsten Töne fabrizieren kann.

So war es Zufall oder vielleicht doch eher gewollt, dass sich die Frauen eher mit den Trompeten begnügten und die Männer gezielt Posaune, Tenorhorn und Bass unter sich verteilten. Wer sich zwischen diesen beiden Lagern nicht entscheiden konnte, wurde zwangsläufig zur Trommlertruppe abgeschoben. So machten sich die drei Parteien auf um in Registerproben ihre musikalisches Talent aus Hand und Mund zu kitzeln zum Leidwesen eines jeden Leiters solcher Proben.
Doch was sich in den ersten beiden Monaten zum Heulen anhörte, entwickelte sich langsam aber kontinuierlich zu richtig gutem Guggesound. Nach regem Besuch der Internetseite E-bay konnte nach nur kurzer Zeit jeder Bläser sein eigenes Instrument vorweisen und nach vielem schweißen, biegen, schrauben und hämmern waren schlussendlich auch unsere Trommler einsatzbereit.

So stand dem ersten internen Auftritt der neu gegründeten „Riasrandgugga“ nichts mehr im Weg. Zur Geburtstagsfete von Kneipi spielte eine auserkorene Elite der Besten der Besten unserem Mitglied ein Ständchen, was zugegeben noch nicht das Gelbe vom Ei war.
Was kann man schon erwarten wenn die Basstrommel, bespannt mit dem Leder eines Urochsens, noch mit einer Klobürste geschlagen wurde. So hangelten wir uns von Ständchen zu Ständchen und mit der Zeit wurde das Spielen in der Truppe für alle Mitglieder zur Droge. Schnell sprach sich auch unser Vorhaben im ganzen Dorf herum was noch weitere junge verborgene Musikertalente zu uns führte.

Die Dorfälteren machten sich hingegen einen Spaß daraus am sonntäglichem Stammtisch das Scheitern unserer fest zusammengewachsenen Truppe zu prognostizieren, was Gründungsvater Tommy wieder auf den Plan rief. Zitat: „Ihr weradt alle no gugga, mir macha koi Schbrich.“ Und er sollte Recht behalten. Obwohl uns noch keiner wirklich gehört hatte und man nicht sagen konnte, ob unsere Auftritte wirklich gelingen werden, kamen mehr Terminbuchungen als erwartet. So fieberten alle dem ersten Auftritt in Unterschneidheim entgegen.

Als der große Tag gekommen war, wurde das Wort Lampenfieber neu definiert. Doch der Auftritt war der volle Hit. Unser grandioser Einmarsch weckte beim Publikum das Interesse auf mehr und als unser Einstieg ins erste Lied sämtliche Falten aller Besucher über 50 aus dem Gesicht bügelte, verstummten auch die letzten Kritikerstimmen unseres Dorfes.

Mit diesem Auftritt wussten alle, dass die Riasrandgugga nicht nur eine „Ein-Faschings-Fliege“ bleiben werden.